Prien - Die Kreisklinik Prien setzt für die Zukunft auf Spezialisierungen, ohne ihren Auftrag zur medizinischen Grundversorgung aus den Augen zu verlieren. Besonders bei Darm- und Gelenkerkrankungen will sich das Krankenhaus durch den Aufbau lokaler Netzwerke noch stärker etablieren.
Weiter intensiviert werden soll auch die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten durch Belegbetten. Eine wichtige Voraussetzung ist der Bau eines «Gesundheitszentrums», in dem mehrere Praxen für ambulante Operationen entstehen sollen. Dieser erste große Baustein der 30-Millionen-Generalsanierung wird allein auf acht Millionen Euro taxiert. Im Herbst soll der Bau beginnen.
«Zentren» sind ein Zauberwort und überall in Mode, nicht nur im Gesundheitssektor. Gemeint sind hier Anlaufstellen für bestimmte Krankheitsbilder. Professor Dr. Josef Stadler, Ärztlicher Direktor der Triamed-Kreiskliniken Prien, Wasserburg und Bad Aibling, mag den Ausdruck eigentlich gar nicht. Der Priener Chef-Chirurg und sein Kollege von der «Inneren», Professor Dr. Christoph von Ritter, sprechen lieber von «lokalen Netzwerken», wenn sie erklären, was sie vorhaben.
Das «Darmzentrum», das sie heuer einrichten wollen, soll signalisieren, dass das Haus am Chiemseeufer die richtige Adresse ist, egal, wo's im Darm zwickt. «Wir wollen einen Behandlungspfad anbieten», erläutert Stadler im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Was in Medizinerkreisen als «interdisziplinär» umschrieben wird, meint nichts anderes, als dass die Spezialisten aus den verschiedenen Abteilungen eng zusammenarbeiten, wenn es darum geht, einen kranken Menschen zu heilen. Das Netzwerk ist breit gespannt und reicht vom einweisenden Arzt, der weiß, dass sein Patient in Prien in guten Händen ist, über Selbsthilfegruppen und die Zusammenarbeit mit Reha-Spezialisten bis zu Fachleuten für Ernährung.
Zugute bei ihrem Vorhaben kommt den Chefärzten, dass ihre Klinik mit derzeit 150 Planbetten überschaubar ist und die Wege kurz sind. Die 30 Klinikärzte und zehn Beleg-Mediziner laufen sich ständig über den Weg, der persönliche Austausch findet zwangsläufig statt.
Die Weichen für das «Darmzentrum» sind gestellt. Es gibt hohe Anforderungen und strenge Richtlinien für die Zertifizierung, die bald erfolgen soll. «Internistisch sind wir ohnehin deutlich über dem erforderlichen Niveau», ist Stadler optimistisch. Das belegen auch Zahlen. 100 Dickdarm- und 35 Enddarm-OPs im Jahr kann sonst kaum eine Klinik dieser Größe vorweisen.
Etablieren will sich die Kreisklinik auch noch mehr als Spezialist für die retrograde venöse Perfusion (RVP). Bei diesem Verfahren werden diabetische Geschwüre zum Abklingen gebracht und Amputationen so verhindert. Prien hat sich schon vor einigen Jahren als eine von sehr wenigen Kliniken bei diesen RVPs einen Namen gemacht. Gerade ist die zweite Doktorarbeit vollendet worden, die auf einer Langzeitstudie über fünf Jahre beruht. Rund 50 Patienten unterziehen sich 400-mal im Jahr einer solchen Behandlung.
Die Bildung einer eigenen Unterabteilung kristallisiert sich in der Gelenkchirurgie heraus. Während künstliche Hüften schon lange eingesetzt werden, wurden in den letzten Jahren auch immer mehr Kniegelenke ersetzt. Bei der Behebung chronischer Schulterschmerzen werden laut Stadler ebenfalls immer öfter Erfolge erzielt.
Ein Hauptaugenmerk wollen die Verantwortlichen auch auf die noch engere Zusammenarbeit mit niedergelassenen Medizinern in Prien und Umgebung legen. Das scheint auch sinnvoll, denn es gibt eine Reihe spezialisierter Ärzte, die in ihrem Fachbereich operieren dürfen, aber aus Kostengründen auf eine ambulante OP in ihrer Praxis verzichten.
Diese Konstellation war auch der Grundgedanke bei der Planung des «Gesundheitszentrums», das in gut zwei Jahren nördlich an die bestehende Klinik angedockt sein soll. Dieser Bau soll neben der physiotherapeutischen Abteilung der Kreisklinik auch mehrere Facharztpraxen beherbergen.
Zunächst wird das «Gesundheitszentrum», dessen Bau laut Franz Huber, dem betriebswirtschaftlichen Leiter, rund acht Millionen Euro kosten dürfte, aber als Ausweichquartier gebraucht. Denn bis 2010 bleibt in einem großen Teil der Klinik kaum ein Stein auf dem anderen. Der Z-förmige Komplex aus den 60er-Jahren wird abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt. Rund 30 Millionen Euro sollen inklusive «Gesundheitszentrum» investiert werden, ein Großteil des Geldes fließt durch staatliche Zuschüsse.
Mit einer Maßnahme, die ohnehin fällig gewesen wäre, werden demnächst die Weichen gestellt. Zur Harrasser Straße hin entsteht für 1,6 Millionen Euro ein neues Energiezentrum. Der Löwenanteil der Kosten, 1,44 Millionen, ist durch staatliche Zuschüsse abgedeckt.
Finanziell scheinen die Kreiskliniken auf einem guten Weg zu sein. 2009 rechnet Vorstand Klaus-Peter Fischer mit schwarzen Zahlen. Am Jahresdefizit der drei Häuser, das innerhalb weniger Jahre von 6,4 auf 1,9 Millionen Euro schon deutlich reduziert werden konnte, hat Prien laut Stadler den geringsten Anteil. In der Weichenstellung durch die Zusammenlegung der drei Kliniken in einem Kommunalunternehmen sieht er einen entscheidenden Grundstein für die Arbeit. Die Gewissheit um die Sicherheit der Arbeitsplätze der 230 Beschäftigten in Prien sei sehr wichtig für die Motivation.
Die Leistungsbereitschaft des Personals fördern die Chefärzte auch durch in- und externe Fortbildung. So war die Ernennung zum Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität im letzten Jahr laut Ritter zum Beispiel ein Anreiz für Assistenzärzte und angehende Mediziner, an den Chiemsee zu kommen. Chiemgau Zeitung, 12.02.2007, Dirk Breitfuß |