Triamed Kreisklinik Prien am Chiemsee
Akademisches Lehrkrankenhaus
der Ludwig-Maximilians Universität München
Kommunalunternehmen der
Krankenhäuser des Landkreises Rosenheim
Triamed Kreisklinik Prien a. Chiemsee
Harrasser Str. 61 - 63
83209 Prien a. Chiemsee
Tel.: 08051/600-0
     
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Wir bedienen den Markt der Zukunft


Prien - Schon die nackten Zahlen beeindrucken und lassen ahnen, welche gravierenden Veränderungen anstehen. Noch heuer soll die 30 Millionen Euro schwere Generalerneuerung der Triamed-Kreisklinik Prien beginnen. Ärztlicher Direktor Professor Dr. Josef Stadler hat jetzt in einem Vortrag beim Priener Lions-Club dargestellt, welche strategischen Überlegungen hinter dem Vorhaben stecken. In den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte der Chefchirurg die medizinischen Perspektiven des Krankenhauses. Angesichts der demographischen Entwicklung und des Wettbewerbs sieht er in der stationären und ambulanten Grundversorgung, gepaart mit der Spezialisierung auf ausgewählte Fachbereiche die optimale Kombination, um bestehen, medizinisch dauerhaft auf hohem Niveau und wirtschaftlich arbeiten zu können.

Die flächendeckende Grund- und Notfallversorgung ist den Bayern in ihrer Krankenhauslandschaft mit Abstand am wichtigsten. Das belegt ein repräsentatives Bürgergutachten im Auftrag des Gesundheitsministeriums. Wenn die Menschen im Freistaat in eine Klinik müssen, sind deren Ruf und der ihrer medizinischen Experten wichtige Kriterien für die Entscheidung, in welches Krankenhaus sie gehen. Aber an erster Stelle steht - etwas überraschend - ein anderes Merkmal: Die Lage der Klinik ist für 52 Prozent der Bürger im Freistaat ein Kriterium.

Das spielt der Triamed-Kreisklinik Prien natürlich in die Karten. Das Grundversorgungs- und Notfallhaus liegt direkt am Chiemseeufer. In vier Jahren sollen alle Patienten von ihren Zimmern aus das Bayerische Meer sehen können. So sehen es die Planungen für die Generalerneuerung vor.

Dass die stationäre Versorgung an Bedeutung deutlich gewinnen wird, ist für Stadler ein weiterer Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Heute sind viermal so viele Patienten unter 65 Jahre als 75 und älter. 2050 wird die Mehrzahl über 75 sein. Dazu kommt, dass Studien vorhersagen, dass der Landkreis Rosenheim in 30 Jahren 60000 Einwohner mehr haben wird. Weil die Menschen, die sich in ärztliche Behandlung in eine Klinik begeben müssen, immer älter werden, werde auch die Aufenthaltsdauer steigen. «Wir bedienen den Markt der Zukunft», folgerte Stadler aus all diesen Zahlen bei seinem Vortrag im Café «Luitpold».

In drei Jahren wollen die Kreiskrankenhäuser Prien, Wasserburg und Bad Aibling) keine roten Zahlen mehr schreiben. Das Defizit konnte seit der Zusammenfassung der Häuser in einem Kommunalunternehmen vor drei Jahren von fast sieben auf 1,8 Millionen Euro jährlich bereits deutlich reduziert werden, erläuterte stellvertretender Landrat und Lions-Präsident Lorenz Kollmannsberger. Prien sei von jeher das «Flaggschiff» des Trios gewesen, lobte er die medizinische und wirtschaftliche Arbeit am Chiemsee.

Integriertes Versorgungszentrum

Damit das auch in einer sich wandelnden Krankenhauslandschaft so bleibt, sollen die Weichen für ein «integriertes Versorgungszentrum» gestellt werden. Solche Verzahnungen von voll- und teilstationärer mit ambulanter Pflege könnten künftig immer öfter Wellnessbereiche und sogar «Patientenhotels» umfassen: ein Zimmer wie im Urlaub, aber mit täglicher Visite wie in der Klinik - das verbirgt sich, vereinfacht gesagt, hinter dem Begriff. Damit sollen die Aufenthalte in den teuren Klinikbetten möglichst kurz und so in einem wirtschaftlich tragbaren Rahmen bleiben.

Mit Privatstationen, wie sie in den oberen Etagen im geplanten, fünfstöckigen Gesundheitszentrum nördlich des bestehenden Kliniktrakts entstehen sollen, könnten andere, kostenintensive Bereiche kompensiert werden. Denn das deutsche Gesundheitswesen sieht Fallpauschalen, also fixe Kostensätze für fest definierte Behandlungsarten vor, die im internationalen Vergleich am unteren Ende der Skala liegen. «Wir kriegen für eine Hüftoperation genau so viel, wie sie in Indien kostet», nannte Stadler ein drastisches Beispiel.

Spezialisierung mit Augenmaß

Medizinisch will die Kreisklinik frei nach dem Motto «Tue das eine, ohne das andere zu lassen» verfahren. Die Sicherstellung der Grund- und Regelversorgung ist das eine, Spezialisierung das andere. Vor allem bei der Behandlung von Darmkrebs kann das Krankenhaus in jüngerer Vergangenheit beachtliche Erfolgsquoten verzeichnen, die sogar Fach- und Unikliniken zur Ehre gereichen würden. Stadler sieht die Voraussetzungen, sich von externen Fachleuten als «Darmzentrum» zertifizieren zu lassen, inzwischen gegeben, rechnet aber mit einer Verfahrensdauer von einem Jahr.

«Lotsendienste» für Patienten

«Wir können nicht alles anbieten», spielte der Ärztliche Direktor der Triamed-Kliniken in seinem Referat auf Kooperationen mit anderen Häusern in der Region an. So können beispielsweise Experten des Behandlungszentrums Vogtareuth über eine Standleitung per Videokonferenz bei bestimmten Krankheitsbildern zu Rate gezogen werden.

«Lotsendienste» nennt der Chirurg den Service, Patienten an andere Fachleute in der Region zu vermitteln, wenn sehr fachspezifische Anforderungen gegeben sind. Umso wichtiger sind gute Verbindungen», sieht er große Zukunftschancen für die regionale Versorgung. Deren Vorteile lägen vor allem in der Erreichbar- und Verfügbarkeit, gewachsenen persönlichen Beziehungen und langfristigen Vertrauensverhältnissen zwischen Medizinern und Patienten. Die Einbindung der Kreisklinik in ein regionales soziales Netz, in dem Krankenhaus, Hilfsorganisationen und Rettungsdienste Hand in Hand arbeiten, listete er als weiteren Pluspunkt auf.

Ganz am Ende gewährte er den sehr interessierten Lions einige kurze Blicke auf die eindrucksvollen Computeranimationen von der Kreisklinik der Zukunft, die allerdings nicht ganz dem aktuellen Stand entsprachen. Die überarbeiteten Versionen soll auch die Öffentlichkeit bald zu Gesicht bekommen.

Heuer Baubeginn für Gesundheitszentrum

Bis 2011 soll der Z-förmige-Trakt der ehemaligen Thyssen-Klinik aus den 60er-Jahren einem neuen Komplex weichen. Auftakt des gewaltigen Vorhabens, das zum Großteil über Zuschüsse finanziert werden soll, wird voraussichtlich ab Herbst dieses Jahres der Bau des Gesundheitszentrums sein. In dem zusätzlichen Trakt nördlich des bestehenden Ensembles werden neben Privatstationen die physiotherapeutische Abteilung, Facharztpraxen und ein ambulanter OP-Trakt untergebracht. Chiemgau Zeitung, 16.03.2007, Dirk Breitfuß
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