Selbsthilfe stellt sich vor Prien - Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen: Da ist jemand, dem ging oder geht es genauso wie mir, jemand mit dem ich darüber sprechen kann. Genau da setzen Selbsthilfegruppen an, von denen es im Landkreis mittlerweile über ein Dutzend gibt.
Auf Initiative einer Projektgruppe der Berufsschule für Krankenpflege stellten sich zwölf dieser Gruppen in der Triamed-Kreisklinik mit einem Aktionstag vor. Franz Huber, Betriebsleiter der Kreisklinik, stellte auch die Verknüpfung zwischen dem ehrenamtlichen Engagement dieser Gruppen und dem professionellen Dienstleister «Klinik» heraus. Chirurgie-Chefarzt Professor Dr. Josef Stadler wies auf die Lücken im Gesundheitssystem hin, die beinahe unvermeidbar seien. «Genau diese Lücken decken Selbsthilfegruppen ab.» Meistens seien die Gruppen von Betroffenen gegründet worden, von Menschen, die aus ihrer schwierigen Situation trotzdem etwas Positives abgeleitet hätten.
Professor Dr. Christoph von Ritter, Chefarzt der Inneren Medizin, ging auf die Initiatoren des Projekttags ein, «junge Leute, die selber aktiv geworden sind und bereits Kontakte geknüpft haben zu anderen Menschen, die helfen», unterstrich von Ritter den Kontakt zwischen angehenden professionellen Pflegekräften und den Selbsthilfegruppen.
Beim Gesprächskreis unter dem Motto «Was ist Selbsthilfe?» diskutierte von Ritter mit Vertreterinnen von Selbsthilfegruppen, Organisationen und offiziellen Beratungsstellen für den Erstkontakt. Sehr schnell kristallisierte sich in dem komplexen Themenfeld «Selbsthilfe» heraus, dass eine höchst individuelle Behandlung zwangsläufig sei. Chronisch Kranke, Betroffene, aber auch Angehörige von Menschen mit Suchtkrankheiten, gingen höchst unterschiedlich mit der belastenden Situation um. Für viele Menschen sei der Umgang mit der Erkrankung auch ein langer Weg, auf dem sie sich selbst weiterentwickelten.
Gerade von Seiten der Klinik wünschte sich von Ritter, dass auf Selbsthilfegruppen hingewiesen werde. Denn gerade an Informationen seien die Patienten überaus interessiert.
In einem Thema waren sich alle Teilnehmer einig: Wer sich ohne professionelle Hilfe im Internet Daten über Krankheitsverläufe, Symptome, Behandlungsmethoden oder Heilungschancen beschaffe, der sei sehr schlecht beraten. Oftmals würden hier «Horrorszenarien» inszeniert, die Menschen würden mit der Flut der Informationen auch überfordert, so der Tenor der Diskussionsrunde. Chiemgau Zeitung, 19.06.2007, daa
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