Blut abnehmen ist die Praxis
Prien - Zum ersten Mal sammelt jetzt eine Medizinstudentin der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München Berufserfahrung an der Triamed-Kreisklinik Prien.
Seit 2006 ist das Haus jüngstes und zugleich kleinstes von 35 Lehrkrankenhäusern der LMU. Stephanie Schmid aus Raubling durchläuft ein Jahr lang die Abteilungen als «Ärztin im praktischen Jahr».Seit die LMU 2006 zur Elite-Uni aufgestiegen ist häufen sich die Anfragen. Lehrkrankenhaus zu werden ist etwa so schwer wie einen Arbeitsplatz zu finden. Es gibt deutlich mehr Bewerber als Stellen. Deshalb waren Vorstand Klaus-Peter Fischer sowie die beiden Chefärzte Professor Dr. Josef Stadler (Chirurgie) und Professor Dr. Christoph von Ritter (Innere) im vergangenen Jahr stolz darauf, den Zuschlag bekommen zu haben. Dabei war sicher auch der Umstand hilfreich, dass die beiden obersten Mediziner beide an der LMU Vorlesungen halten.
Jetzt haben sie die erste «PJ»-Studentin unter ihren Fittichen. Die Abkürzung steht für praktisches Jahr und auf dem Namensschild von Stephanie Schmid. Für die Raublingerin war der Ausbildungsplatz in Prien die Wunschadresse. «Ich war nie ein Fan von riesigen Uni-Kliniken. Hier in Prien versucht jeder einem etwas beizubringen», zog sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung eine positive Bilanz nach den ersten Wochen.
Auch Visite steht auf dem Stundenplan
Ihre Ausbildung ist nach LMU-Vorgaben ziemlich exakt vorgeplant, der Stundenplan umfasst statt Mathe und Englisch zum Beispiel Indikationsbesprechung, Visite oder Röntgendemonstration. Ein Jahr lang wird sie je vier Monate in Chirurgie, Innerer und Gynäkologie praktische Erfahrungen sammeln. Die theoretischen Grundlagen hat sie sich seit Studienbeginn 2001 erarbeitet.
Während die Raublingerin bei Operationen «nur» als interessierte Beobachterin dabei ist, ist sie in die Stationsarbeit vom ersten Tag an involviert. Blut abnehmen und Infusionsnadeln legen gehören zum Alltag. Daneben steht zum Beispiel auch wöchentliche Fortbildung im Ausbildungsplan.
Die Chefärzte sehen die Lehrtätigkeit nicht als zusätzliche Belastung. «Wir sind gezwungen, unsere Abläufe zu durchleuchten», spielt Stadler auf die hohen LMU-Anforderungen an und auch Fischer sieht in der Kooperation mit der Münchener Uni eine Bestätigung für die hohe medizinische Qualität des Kreiskrankenhauses. Bis zu vier «PJ»-Studenten sollen künftig zeitgleich in Prien ihr Handwerk lernen. Die meisten werden wohl aus der Region kommen. Für die Chefärzte eine Option auf die Zukunft. Denn sie setzen auf spätere Zusammenarbeit. Vielleicht findet der ein oder andere frischgebackene Arzt nach dem Staatsexamen den Weg zurück ans Chiemseeufer oder arbeitet mit der Klinik dann anderweitig zusammen. «Wir haben alle was davon», ist von Ritter überzeugt. Chiemgau Zeitung, 08.05.2007, Dirk Breitfuß
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