Interview mit Dr. Pfeiffer, Chefarzt Anästhesie an der Kreisklinik Bad Aibling Sehr geehrter Herr Dr. Pfeiffer, welches sind die Elemente des Aiblinger Schmerzmodells und was macht es so unvergleichlich und überlegen gegenüber anderen Schmerzkonzepten, die in anderen Kliniken zum Einsatz kommen?
Dr. Pfeiffer: Die herkömmliche Schmerztherapie nach Operationen beginnt in der Regel erst dann, wenn der Patient postoperativ Schmerzen angibt. Das Aiblinger Konzept verfolgt den Gedanken einer prophylaktischen Schmerztherapie. Hierzu werden bereits vor der Operation mit der Prämedikation entzündungshemmende Schmerzmittel und Opioide verabreicht. Unmittelbar vor der Operation wird dann zusätzlich noch eine Nervenblockade des Operationsgebietes durchgeführt. Abgerundet wird die Schmerztherapie postoperativ durch eine je nach Eingriff uni- oder multimodale Schmerzmittelgabe nach festem Zeitschema.
Welche Methoden gibt es speziell in der präoperativen Phase, die in Bad Aibling zum Einsatz kommen?
Dr. Pfeiffer: In der Regel werden vor einer Operation Beruhigungsmittel (z.B. Valium, Tranxilium, Dormicum) verabreicht. Wir glauben, dass diese Beruhigungsmittel vor allem aber bei älteren Patienten zu Verwirrungszuständen nach der Operation führen können. Daher verwenden wir diese Beruhigungsmittel bei älteren Patienten nur noch selten und wenn dann in niedriger Dosierung. Unsere Erfahrung mit präoperativer Gabe von Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide zeigt, dass diese Medikamente ebenfalls eine psychisch entspannende Wirkung haben, dabei aber nicht zu Gedächtnisstörungen und Verwirrtheit führen.
Eine Besonderheit für ein Haus unserer Größe stellt auch der Einsatz von peripheren Schmerzkathetern dar, die bereits präoperativ angelegt werden. Insbesondere für die sehr schmerzhaften Eingriffe am Schulter- und Kniegelenk können hier durch gezielte Nervenblockaden in Kathetertechnik als alleinige Schmerztherapie intra- und postoperativ Narkosemittel und nebenwirkungsbehaftete antiphlogistische Schmerzmittel eingespart werden.
Betreiben Sie auch unabhängig von Operationen eine Schmerztherapie? Welche Patienten können diese in Anspruch nehmen und was leistet die Schmerztherapie hier, insbesondere im Hinblick auf Palliativpatienten?
Dr. Pfeiffer: Der Schmerzdienst der anesthesiologischen Abteilung hat neben der unmittelbar postoperativen Versorgung von Schmerzkathetern 2 weitere Standbeine. Zum einen gibt es die Möglichkeit der ambulanten Schmerztherapie im Rahmen einer Schmerzsprechstunde für Selbstzahler. Zum anderen bieten wir die Möglichkeit einer stationären Schmerztherapie, insbesondere für Problempatienten, die einer umfassenden multimodalen Schmerztherapie bedürfen. Hierzu zählen unter anderem auch Krebspatienten, die wir in unseren Brückenzimmern als interdisziplinäres Team aus Internisten, Neurologen, Physiotherapeuten und Schmerztherapeuten behandeln.
Was muß vor einer OP anästhesiologisch abgeklärt werden. Wer führt die Voruntersuchungen durch?
Dr. Pfeiffer: Der Zeitpunkt und der Umfang der Voruntersuchungen hängt vom Gesundheitszustand des Patienten und der zu erwartenden Ausdehnung des operativen Eingriffs ab. Normalerweise führt der Hausarzt, der den Patienten ja am besten kennt, die Voruntersuchungen durch (z.B. EKG, Blutwerte). Bei größeren Eingriffen und vorerkrankten Patienten bieten wir seitens der Anästhesie eine Sprechstunde an. Hier bietet sich die Möglichkeit schon weit im Vorfeld einer Operation entsprechend den Vorerkrankungen und des geplanten Anästhesieverfahren gezielt weitere spezielle Voruntersuchungen (z. B. eine Echokardiographie bei Herzinsuffizienz, Abklärung von Gerinnungsstörungen wie M. Werlhoff bei geplanter thorakaler Periduralanästhesie bei Darmeingriffen) in die Wege zu leiten. Dieses erweiterte Screening kann dann sowohl ambulant, oder auch bei uns im Hause, bei massiven Vorerkrankungen auch stationär in unserer internistischen Abteilung, durchgeführt werden.
Welche Methoden gibt es heute, ein Aufwachen während eines operativen Eingriffes zu verhindern?
Dr. Pfeiffer: Die Triamed-Kliniken sind die einzigen Kliniken in Südostbayern, die ein EEG-gestützes Überwachungssystem (BIS, Fa. Aspect Medical) einsetzen. Hierbei werden während der Narkose die Gehirnströme online gemessen und über einen Prozessor so bearbeitet, dass der Anästhesist anhand eines Prozentwertes die Narkosemittel exakt dosieren kann, um ein Aufwachen verhindern zu können.
|