Niemand spricht gerne darüber, dabei sind geschätzte fünf Millionen Deutsche betroffen: Blasenschwäche ist ein heimliches Volksleiden. In der Wasserburger Kreisklinik wurden in den letzten zwei Jahren 100 Patientinnen operiert. Die Erfahrung: «Inkontinenz ist heilbar.»
Wasserburg - Die 70-jährige Maria S. hatte sich zunehmend zuhause vergraben: Nach drei Geburten und langjähriger schwerer körperlicher Arbeit hatte sie eine ausgeprägte Schwäche des Beckenbodens entwickelt, «selbst beim Einsteigen ins Auto lief mir oft Urin die Beine hinunter», erzählt sie.
Schließlich vertraute sie sich einer Frauenärztin an. Die verordnete ihr Beckenbodengymnastik und verwies sie an die Triamed-Klinik, wo sie operiert wurde.
Seit ein paar Monaten hat die 70-Jährige ihre Blase wieder unter Kontrolle. Sie gehört damit zu den rund 85 Prozent der InkontinenzPatientinnen, denen eine Operation Heilung oder zumindest Besserung brachte. Chefarzt Dr. Martin Heindl macht daher eine äußerst positive Bilanz der zweijährigen Arbeit im sogenannten «Urogynäkologischen Versorgungsnetz» auf, in dem die Wasserburger Gynäkologen, Urologen sowie mehrere Physiotherapeuten und das Krankenhaus zusammenarbeiten.
Zwei- bis dreimal im Jahr treffen sich die Fachleute dabei zu Fortbildungen, doch vielleicht noch wichtiger ist der Kontakt: Genau 100 Patientinnen wurden in dieser Zeit an die Kreisklinik verwiesen und dort operiert, Tendenz steigend.
Dabei, so Dr.-Heindl, komme immer häufiger die sogenannte «Netzoperation» zum Einsatz, bei der zur Stabilisierung des Beckenbodens ein Polypropylennetz eingesetzt wird.
Entscheidender Bestandteil der Therapie sei aber das Beckenbodentraining, so Dr. Heindl. «Wer jeden Tag eine Viertelstunde trainiert, kann mit ersten Resultaten nach zwei bis drei Monaten rechnen.»
Dafür braucht es aber die Anleitung durch speziell geschulte Physiotherapeutinnen - «und eben einigen Durchhaltewillen», so der Gynäkologe.
Ebenfalls mithelfen können auch die inzwischen verbesserten Medikamente. Doch am Anfang steht das Eingeständnis der Erkrankung und die Bereitschaft, etwas zu unternehmen. Für alle, die diesen Schritt wagen, hat Dr. Heindl eine ermutigende Bilanz der zweijährigen Arbeit des Urogynäkologischen Versorgungsnetzes: «Inkontinenz lässt sich heute dank der neuen Therapien meist heilen oder zumindest deutlich bessern.» koe